Holzklasse ist hier wörtlich gemeint. Wir haben uns das günstigste Zugticket gekauft, dass man für Geld bekommen konnte. Sandra wollte mich bereits im vorhinein und dann noch einmal nach Fahrt fast umbringen, weil die Fahrt wohl den wahrhaftig schlimmsten Teil unserer Reise beschreibt. Nach den vielen Busfahrten war es mir geschuldet, dass wir den Zug genommen haben, da ich persönlich gerne einmal mit der Bahn fahren wollte. Man hatte uns noch vorgewarnt, dass der Zug keine Fenster hätte, aber wer glaubt so etwas schon? Ich nicht, Sandra schon. Recht hatten wir beide nur so halb. Als wir gegen 10 Uhr abends auf den Bahnsteig im völligen Dunkel unser Abteil suchen mussten kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. die Abteile waren Blechbüchsen mit vergitterten Fenstern, die zwar Fenster besaßen, sich aber nur zu 90% schließen lassen konnten. Wer jetzt erwartet, dass die Züge eine Klimaanlage oder sogar Heizung besitzen liegt völlig falsch. Und wie hätte es anders sein sollen, Holz ist tatsächlich wirklich richtig hart und unbequem. Schlimm, wenn man dann zehn Stunden darauf sitzen bzw. liegen soll. Sandra war am Tiefpunkt angekommen und auch für mich war es ein Erlebnis, das ich gerne auf meiner Liste abharken wollte, aber nicht unter diesen Umständen. In Asien heisst Aussentemperatur gleich Innentemperatur. Glücklicherweise hatte Sandra ihren Schlafsack dabei, mit dem sie sich zudecken konnte. Ich hingegen hatte Chucks mit Füßlingen, eine Adidas Jogginghose und einen Sommerpullover mit Regenjacke. Einzig und alleine meine neu erworbenen Winterutensilien wie Schal und Mütze haben mich vor dem Erfrieren gerettet. Auch hier ist nichts übertrieben, es war wirklich furchtbar wie der eiskalte Wind durch die großen Schlitze unter den Fenstern fegte und mir die Nackenhaare zu Berge hat stehen lassen. Glücklicherweise konnte Sandra in ihrem Schlafsack ein paar Stunden schlafen. Ich sowie viele Vietnamesen saß spärlich bekleidet in unserem Abteil und habe mir die Schuhe ausgezogen, um meine eiskalten Füße mit den Händen warm zu rubbeln. Ein einiger Trost für die Vietnamesen waren die fliegenden Händler, die regelmäßig mit heißem Tee und Nahrungsmitteln durch die Gänge marschierten. Wir haben uns nichts gekauft. Wir haben gelernt gut vorbereit auf Reise zu gehen. Selten ist klar, wann der nächste Toilettengang ist oder wo und wann wieder ein Stopp zum Essen eingelegt wird.
Nach guten zehn Stunden und vielleicht einer Stunde Schlaf für mich kamen wir ausgekühlt und erschöpft am Bahnhof in Lao Cai an, einer Stadt, rund dreissig Kilometer entfernt von Sapa. Von hier aus haben wir uns bereits im Voraus ein Ticket für einen Minibus gekauft, der uns direkt zu unserem Hotel gebracht hat. Als wir dann erfahren haben, dass wir bereits vor dem offiziellen "Check in" in unser Zimmer durften waren wir überglücklich. Die Krönung war die Heiss-Wasser-Dusche gefolgt von der Heizmatte im Bett. Auch hier war waren es zehn Grad im Zimmer. Selbst nach dreissig Minuten im Bett konnten wir noch unseren Atem sehen...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen