Mittwoch, 14. Oktober 2015

Ein Wochenende in Shanghai



Shanghai war für Sandra und mich der erste richtige Stopp in China. Nur 4 Stunden nach Sandras Ankunft in Beijing sind wir zum Südbahnhof gefahren, um von dort aus mit dem Zug nach Shanghai zu fahren. Wer die Deutsche Bahn kennt wird die die chinesische Bahn lieben. Jeder Fahrgast bekommt einen Sitzplatz, der Zug ist sauber, das Personal freundlich und es gibt ein Bistro an Board. Viel wichtiger für den geplagten Deutsche Bahn Reisenden ist der Begriff Pünktlichkeit. In China versteht man unter Pünktlichkeit nämlich das was unter Pünktlichkeit auch im Duden steht. (Nach Deutscher Bahn Logik ist ein Zug pünktlich, wenn er nicht mehr als 10 Minuten Verspätung hat. Das ist natürlich völliger Schwachsinn) Unser Zug ist tatsächlich wie auf dem Ticket vermerkt, um genau 15:59:34 losgefahren. Pünktlich losfahren ist eine Disziplin, die andere ist pünktlich ankommen, aber auch das war kein Problem. Der Zug ist schließlich nach einer kurzen Beschleunigungsphase konstant 300 km/h gefahren.
Angekommen sind wir gegen 21:30 und nach einer kurzen U-Bahn Fahrt waren wir direkt am Bund von Shanghai. Das ist der Teil von Shanghai von dem aus wir dieses Bild geschossen haben.
Sandra am Bund vor der Skyline

Die Shanghai Skyline mit Oriental Tower im Mittelpunkt

Nach dem Hoch mit der Bahn, kam das Tief mit unserem Hostel. Das „Captain Youth Hostel“ kann ich definitiv nicht empfehlen! Die Bilder bei Hostelworld.com entsprechen nicht der Realität und die Bar mit der geworben wird gehört eigentlich gar nicht zum Hostel. Personal ist auch unfreundlich. Leidglich die Lage ist gut, aber dank der tollen U-Bahn ist man super günstig und flott überall in Shanghai unterwegs. Wir haben nur eine von drei Nächten in dem Hostel verbracht und sind dann in ein schönes Hotel umgezogen. Die Nacht hat mich einfach fertig gemacht. Schimmel im Zimmer, die Bettlacken waren dreckig und auf dem Boden haben Haare und Flusen eine Party veranstaltet. Ich habe mich selten so geekelt – und ich habe schon einiges gesehen. Wenn man dann bedenkt, dass uns das Zimmer 40 Euro pro Nacht gekostet hat kann ich mich nur aufregen… J
Der erste richtige Tag in Shanghai hat den Stress der Nacht wieder komplett wettgemacht. Das Wetter war gut, es war warm und man hatte gute Sicht. Unser erstes Ziel war der Bund von aus wir die tolle Skyline von Shanghai besichtigen konnten. Es ist ein ganz anderes Gefühl, wenn man in einer Stadt steht, die ein Fluss in der Mitte kreuzt.
Total angesagt in ganz China sind aktuell kleine Blumen und Gestrüpp aus Plastik, das man sich mit einer Klammer in die Haare klemmen kann. Sandra musste sich natürlich auch direkt ausstatten. In Shanghai hatte wirklich jeder zweite so ein Ding auf dem Kopf. Sogar Männer!!
Blumenkopfschmuck ist total In
Dann haben wir etwas entdeckt, was ich vorher nur im Fernsehen aus Deutschland kannte. In einem Park in Shanghai haben sich unzählige Frauen und Männer getroffen, um ihre Kinder – wie soll ich sagen – zu vermarkten. Aufgereiht an Mauern saßen die lustigen Damen und Herren mit aufgespannten Regenschirmen auf denen Zettel mit den wichtigsten persönlichen Angaben zu ihren Kindern vermerkt waren. In China ist das anscheinend ein richtiger Sport. Die Leute waren richtig gut drauf, haben gequatscht und gelacht. Völlig normal!
Eltern vermarkten ihre Kinder1
Eltern vermarkten ihre Kinder 2






Fortsetzung folgt...

Dienstag, 13. Oktober 2015

Der Lippische Schwabe auf der chinesischen Mauer


Nach mehr als zwei Wochen habe ich endlich die Zeit wieder einen Beitrag zu verfassen. Dabei weise ich gleich darauf hin, dass die folgenden Beiträge nicht in chronologischer Reihenfolge hochgeladen werden, da ich ganz frech einfach mit dem Tag an der Mauer anfange. Der Grund ist einfach. Die Mauer ist einfach WAHNSINN! Neben Angkor Wat ist die Chinesische Mauer mein absolutes Highlight was ich bis jetzt erleben durfte. Aber von Anfang an.
Wie ich finde ist China kein günstiges Reiseland. Essen ist günstig, ok, aber die Chinesen verlangen für jede Attraktion Kohle! Und nicht zu wenig!
Von Kollegen wusste ich, dass ein Trip an die Mauer ca. 65€ pro Person kostet inklusive Eintritt auf die Mauer und Launch. Sandra und ich fanden das einfach zu viel Geld und ich habe im Internet recherchiert wie man ohne lästige Touristengruppe zu einem Top-Mauerabschnitt kommt.
Da die Chinesen sich auch immer Vesper mitnehmen haben Sandra und ich uns am Abend zuvor im Supermarkt leckeren Tofu, Sojasoße, Salat, Tomaten, Sandwichsoße und Toast gekauft und die wohl leckersten Sandwiches aller Zeiten kreiert. Ich habe Sie zumindest sehr gefeiert. Aber das nur am Rande.
Aus dem Internet wusste ich, dass es einen Bus gibt mit dem man sieben Stationen fahren muss. Anschließend soll man ein Taxi nehmen. Den Busbahnhof in Dongzhimen haben wir bereits am Abend vorher besucht, weil wir die Abfahrtszeiten wissen wollten, um möglichst früh zu starten. Und gut, da saßen wir also in dem Bus. Wieder nur Chinesen um uns herum, genauso wie wir es wollten. Was wir aber nicht wollten war die Schwierigkeit die Stationen mitzuzählen. Nach fünf Minuten ist Sandra erst einmal wieder in ihren Tiefschlaf gefallen und ich musste aus der hintersten Reihe in der Mitte versuchen den chinesischen Namen der Haltestelle zu erkennen. Irgendwie hat das nicht geklappt, ich habe die Übersicht verloren. Hätte ich mich ans Fenster gesetzte wären mir bei den engen Sitzen aber die Beine abgefallen und ich hätte es erst gar nicht zur Mauer geschafft. Als an irgendeiner Haltestelle plötzlich fünf Männer in den Bus stürmten und „All foreigners get out“ gebrüllt haben wurde mir etwas unwohl und ein Hauch von Stress kam in mir hoch. Glücklicherweise haben zwei kleine Chinesinnen uns mit Handzeichen geraten den Bus nicht zu verlassen. Als der Bus wieder anfuhr bin ich mit meinem Hieroglyphenzettel zum Busfahrer gelaufen und habe ihm versucht zu erklären, dass wir zu dem Mauerabschnitt in Huanghuacheng möchten. Aber klar, der hat mich natürlich nicht verstanden. Es blieb also nur die Lösung alle Passagiere im Bus zu fragen, ob jemand Englisch spricht und siehe da, ein älterer Herr hat uns geholfen. Wir mussten die nächste Haltestelle raus. Wieder standen 20 Taxifahrer vor uns, von denen uns jeder zur Mauer fahren wollte. Aber nur für einen Festpreis von 180 RMB. Das hatte ich schon im Internet gelesen und handeln hat leider auch nicht funktioniert. Nun gut, für 50 Minuten Taxifahrt fand ich den Preis dann doch irgendwie gerechtfertigt, auch wenn ich wusste, dass man für 60 min ca. 100 RMB bezahlt. Nichts desto trotz sind wir mit einer kurzen Unterbrechung an der Mauer angekommen. Und ich war so überwältigt. In dem Nebel schlängelt sich diese riesen Mauer durch das Land über jeden Berg. Unglaublich!
Für uns startete die Wanderung auf der Mauer an einem nicht ganz offiziellen Stück. Zwei Bauern haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir einen Wegzoll von 5 Yuan/Person zahlen müssen. Gut, wenn ich anstatt wie gelesen 50 nur 5 RMB zahlen muss beschwere ich mich nicht. Nach einem kurzen Anstieg sind wir über eine Leiter auf die Mauer geklettert. Es war noch etwas nebelig durch den Smog aber es waren nur zwei Hände voll Touristen auf der Mauer. In erster Linie waren es nur Chinesen, erst später haben wir Langnasen getroffen, die sogar mit einem Zelt auf der Mauer übernachtet haben. Geil, oder?


Der Eintritt wird von zwei Bauern eingetrieben

Ausblick von dem Staudamm vor der Mauer

Jetzt schaut euch einfach mal die Bilder an und achtet darauf wie steil die Mauer an einigen Stellen ist. Fantastisch!

Angekommen auf der Mauer
Mauer soweit man gucken kann

Sandra verschafft sich einen Überblick

Jetzt geht der Mauerlauf los

Erschreckend steil

Steil, Steiler, Chinesische Mauer

Der Rückweg war einfach nur anstrengend