Sonntag, 23. Juni 2019

Unser Ergebnis nach einer Woche Beijing

Eine Woche ist nun vergangen und ich sitze mit Sandra und Ruby im Flieger zurück nach Deutschland. Wir hatten fünf ganz fantastische Tage mit überwältigenden Momenten, aber auch Tiefpunkten auf die ich später noch zu sprechen komme.

Wie bereits in meinem letzten Post erwähnt, ist und bleibt Beijing eine Stadt in einem Land, welches uns seither fasziniert und auf unterschiedlichste Wege bindet. 

Aber jetzt zurück zu unser Intensivwoche Wohnungssuche und „making Friendship mit Beijing again“. Wir haben zusammen mit unserer Relocaterin über 20 Wohnungen besichtigt. Bei fast allen Compounds und Apartments sind wir zu Dritt als ganze Familie vor Ort gewesen, um später eine möglichst richtige Entscheidung treffen zu können.  Sind zwei Jahre eine kurze oder lange Zeit? Das ist die Frage, die ich mir immer stelle. Wie wichtig ist die richtige Wohnung – der richtige Rückzugsort. Nach den ersten Besichtigungen haben wir schnell gemerkt, dass es wichtig ist als Familie die Entscheidung zu treffen. Sandra hat ein ganz anderes Auge für Dinge als ich und andersrum genauso.  Einen Favoriten hatten wir schon vor unserer Abreise. Wir wollten uns unbedingt Wohnungen im Sanlitun Soho angucken. Sehr gute Freunde von uns aus Stuttgart sind das zweite Mal vor Ort und haben sich wieder für das Sanlitun Soho entschieden. Den ersten Einsatz hatten beide noch kinderlos gestartet. Nun sind sie zu viert mit zwei kleinen Mädels unterwegs. Für uns ein Grund auch in dem Compound nach Wohnungen zu suchen. Als zweiten Favoriten haben wir etwas später den Compound an der Park Avenue ausgemacht, unweit vom Chaoyang Park. Der Compound besteht aus vier Gebäuden, die kreisförmig angeordnet sind und durch einen Zaun zur Straße abgesichert ist. Wenn man in einer Großstadt mit Kleinkind wohnen möchte ist ein Zaun auf einmal viel Wert. Hinzu kommt der schöne Park inmitten der Gebäude, der sich mit einem kleinen Spielplatz ziert. Sandra und Ruby wurden von der Kombination sofort überzeugt. Für mich war die Besichtigung im ersten Schritt nicht so überzeugend. Der Compound war 3,2 Kilometer von Sanlitun entfernt. 3,2 Kilometer hören sich im ersten Moment nicht weit an. Versteht man aber, dass selbst ich auf dem Rückweg von meiner Arbeit in Stuttgart für 9,7 Kilometer zwischen 30 und 60 Minuten benötige, der Verkehr in Beijing allerdings um ein vielfaches zäher ist wird einem schnell klar, dass man selbst den spontanen Kaffee je nach Uhrzeit mit genügend Puffer planen muss. Darüber hinaus haben wir uns 3 Wohnungen angeschaut, die keineswegs meinen Vorstellungen entsprachen. Drei Zimmer sind ausreichend, aber die Zimmer waren klein und für mich wirkte alles viel zu beengt in einer so eingepferchten Stadt mit unzähligen Hochhäusern und Millionen Einwohnern. Erst am Donnerstag kam die erfreuliche Botschaft, dass wir uns noch ein viertes Apartment angucken konnten. Ein Volltreffer aus meiner Sicht. Park Avenue, 29. Stock, 3+1 Zimmer (3 Bedrooms + 1 kleines Arbeitszimmer), Balkon, Blick auf die Stadtmitte inklusive CBD und im Budget. Als wir am Donnerstag Nachmittag im Starbucks bei uns im Hotel zusammen mit der Maklerin zusammen saßen haben wir diese Wohnung als unseren Favoriten erkoren. Dicht gefolgt von einer schönen 3 Zimmer Wohnung im Sanlitun Soho. 

Einmal noch der Ausblick aus dem Apartment Park Avenue:



Hier einmal eine kleine Übersicht wo welcher Compound liegt:


Ab jetzt heisst es hoffen, dass die Maklerin ein gutes Gesamtpaket mit den Eigentümern verhandeln. Ab jetzt hört unser Job auf und somit auch unsere Einflussnahme. Währind ich den Eintrag schreibe fliegen wir von Beijing nach Amsterdam. Vielleicht steigen wir aus und haben schon eine Rückmeldung. Wer weiß :D

Ich frage mich die ganze Zeit, ob Wohnungsbesichtigungen in Deutschland auch so ablaufen könnten. Pick-up mittags mit der Maklerin und dann im 30 Minuten Takt Wohnungen angucken. Schlüssel sind an Rezeptionen hinterlegt oder aktuelle Mieter sind rechtzeitig oder spontan angefragt und können Interessenten sofort einen Einblick geben. Irgendwie war das alles wieder einmal viel leichter und schneller als in Deutschland. Womöglich ginge es noch schneller, wenn der Verkehr nicht wäre. Man kann halt nicht alles haben. :D
Dieses Tempo und der Wille in einer Woche etwas passendes zu finden fordert leider auch persönliche Opfer. Für Ruby war es bestimmt eine ihrer stressigsten sowie anstrengendsten Wochen bis dato. Mittagsschlaf im Auto, auf dem Arm oder im Kinderwagen. Abends waren wir zum Abschluss immer noch mit Freunden essen oder haben zu Hause essen bestellt. Ruby durfte spielen und hatte sichtlich Spaß. Sobald wir aber wieder für uns waren ist sie auf der Stelle vor Erschöpfung eingeschlafen. Jetzt gerade schläft mit Sandra zusammen neben mir und sind trotzdem glücklich aus. In den nächsten Tagen und Wochen steht sie jetzt wieder mehr im Mittelpunkt.

Jetzt noch ein paar kleine Eindrücke als Erinnerung. Ich glaube es war Donnerstag. Wir haben gerade Eis gegessen, weil es 35 Grad heiss war. Im Anschluss haben wir die Mall verlassen und haben uns draußen im Schatten der Häuser einen Platz gesucht. Kurz drauf kam eine Gruppe von Verkäufern der umliegenden Geschäfte und hat direkt neben uns Seilspringen gespielt. Erwachsende Menschen sind wie wild neben uns hin und her gesprungen. Ruby fand das Schauspiel total klasse und wir haben bestimmt 15 Minuten zugeschaut. Ich kann mich nicht erinnern in Deutschland jemanden Seilspringen gesehen zu haben der älter als 10 Jahre alt ist. Warum?

Montag, 17. Juni 2019

Endlich ist es so weit - Peking, wir kommen!

Endlich ist es so weit. Ich kann mich nach einer sehr langen Auszeit nun wieder meinem Blog widmen und habe dafür auch ein Thema, dass mir für die nächsten 2 Jahre Texte und Bilder "on-mass" liefern wird.
Zusammen mit meiner Familie geht ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. Wir werden, wenn jetzt auf den letzten Metern nichts schief läuft, die nächsten 24 Monate in China verbringen. Dazu muss man wissen, dass wir bereits vor ca. 3 Jahren die Gelegenheit hatten nach Beijing zu ziehen. Leider haben wir damals nicht die Voraussetzungen für ein Visa erfüllt. Da Praktika und ein Trainee Programm bei der Botschaft nicht als Berufserfahrung gelten konnte ich die geforderten 2 Jahre Berufserfahrung nicht vorweisen. Alles in allem eine große Tragödie für uns als Familie, da wir uns diesen Schritt gut überlegt hatten und gedanklich schon vor Ort in Beijing lebten.
Die Enttäuschung von damals ist allerdings spätestens seit Dezember 2018 verflogen, in dem Moment als ich die offizielle Zusage für eine Expat Stelle in Beijing bekommen habe. Gegeißelt durch die Odisee vor 3 Jahren musste der Gedanke "China" allerdings doch erst wieder langsam in unseren Köpfen reifen. So ganz verflogen waren die Erinnerungen dann doch leider nicht. Monate hat es sich nach der Zusage hingezogen bis alle Unterschriften für den Personalantrag in China vorlagen und wir alle Ausreisedokumente erstellt haben.
Jetzt aber sitze ich hier in China, fünf Wochen vor unserer endgültigen Ausreise und suche mit meiner Familie eine Unterkunft. Wir sind genau eine Woche hier, um eine passende Wohnung zu finden und uns mit der Stadt vertraut zu machen. Glücklicherweise habe ich bereits in Summe 6 Monate alleine in Beijing auf Reisebasis gearbeitet weshalb vieles vertraut erscheint und der oft angekündigte Kulturschock ausbleibt. Vertraut war auch das Verkehrschaos, das man zur Rushhour erwarten darf. Ganze zwei Stunden haben wir vom Flughafen in die Innenstadt gebraucht. Hätten wir keinen "Pick-up-Service" und unzähliges Gepäck, wären wir mit dem Airport-Express 3-4 mal schneller unterwegs gewesen.
Wenn ich mir überlege, dass mittlerweile viele Ex-Kollegen und Freunde von mir in Beijing wohnen ist es schon fast verrückt, dass man ca. 8.000 km von zu Hause entfernt ist und ich doch wieder ab dem ersten Tag fast heimisch fühlt. Wir haben gleich für Dienstag und Mittwoch Besuche bei Freunden mit anschließendem Abendessen vereinbart. Immer als krönender Abschluss zu anstrengenden Tagen mit Wohnungsbesichtigungen, Kontoeröffnung, SIM-Karten Kauf und weiteren unzähligen Todos. Unsere ganze Woche ist bis ins Detail durchorganisiert. Alles von einem Relocation Service, der sich auf die Einreise von Expats konzentriert hat. Wir brauchten einfach nur ein Formular ausfüllen, was uns interessiert (z.b. Wohnungen mit 3 Zimmern in der Gegend Sanlitun oder Kindergarten in Saniltun) und alles wurde in eine Agenda zusammengeführt. Für uns total stressfrei auch durch den permanenten Shuttle Service vor Ort. Einsteigen, fahren, Besichtigen und wieder einsteigen...

Sonntag bis Montag Abend noch einmal in ein paar Bildern. Leider sieht man es auf dem ersten Bild nicht, aber zu den zwei Koffern hatten wir noch 2 Rucksäcke, einen Kinderwagen und 3 große Kartons voll mit Klamotten. Reisen wie die Gastarbeiter in den 80igern hat mir ein Freund geschrieben. Ein bisschen haben wir uns auch so gefühlt. Alle Kartons einlaminiert mit 66m Paketband.


Ruby hat die letzten Tage schon Flugzeuge entdeckt und war gestern gar nicht mehr von der Scheibe wegzubekommen.



Als wir dann endlich im Flieger saßen ging alles relativ schnell. 1 Stunde haben wir aus dem Fenster geschaut bis Ruby den größten Teil des Fluges verschlafen hat. Gut für uns, damit wir auch etwas entspannen konnten.



Endlich Halbzeit. Wir haben zwar erst nach einem kleinen Schläfchen im Hotel um 13:30 mit den Besichtigungen gestartet, haben allerdings bis 17:30 ganze 9 Wohnungen in 4 verschiedenen Compounds besichtigt. Ohne Mittagessen musste dann wenigstens Zeit für einen Ice-Kaffee sein.



Abgeschlossen haben wir den Abend mit einem Abendessen im Blue Frog, CBD. Ruby war so müde, dass Sie nach 10 Pommes den Kopf komplett übermüdet auf den Tisch gelegt hat und einschlief. Jetzt sitze ich hier um halb 9 und werde wohl auch gleich die Augen zumachen.