Samstag, 19. September 2015

Immer wieder neue Erlebnisse

Letzten Sonntag hatten wir das dringende Bedürfnis unser Apartment etwas gemütlicher zu gestalten. Zum einen hat es uns einfach genervt, dass es ab und an nach Rauch riecht und die Apartments wirklich sehr lieblos eingerichtet sind. Um das zu ändern haben wir uns aufgemacht in Richtung Ikea. Es ist schon komisch, wenn man das Gefühl hat ganz weit von dem Gewohnten weg zu sein und plötzlich vor einem Ikea mitten in Beijing aussteigt. Das zeigt wieder wie international die Stadt ist und wie international manche Marken aufgestellt sind.
Leider haben wir niemanden in den Betten bei Ikea schlafen sehen. Das habe ich zuvor mehrfach gehört. Aber der Chinese an sich kauft anscheinend genauso gerne diesen Krims Krams bei Ikea wie wir es in Deutschland machen. Von uns hat sich jeder eine Duftkerze gekauft, um den Rauchgeruch im Apartment entgegen zu wirken. Abdullah hat sich drei gekauft, der wollte anscheinend auf Nummer sicher gehen.
Zu den Kerzen haben wir uns noch kleine Pflanzen gekauft. Diesmal aber nicht bei Ikea sondern im Sunflower Supermarket um die Ecke von unserem Apartment. 

Ikea Beijing

Einkaufen bei Ikea
 Am Montag haben wir das gemacht, wofür Chinesen bekannt sind. Wir waren als Team nach der Arbeit beim Karaoke. Direkt nach Feierband sind wir Richtung Chao Yang zu einer Karaoke Bar gefahren. Das Gebäude hatte 5 Etagen und auf jeder Etage waren geschätzt 30 Separees in denen man als Gruppe zusammen singen kann. Von innen ist jedes Separees auf dem aktuellen Stand der Technik. Es gibt an jeder Wand mindestens einen Fernseher auf dem man den Text zu jedem Song ablesen kann.
Ganz wichtig bevor man richtig anfängt zu singen ist erst einmal richtig zu essen. 
Lukas der KTV-Master
 Dazu gab es Bier, das wir uns selber mitgebracht haben. Das ist wohl nicht ganz normal, aber wir sind Deutsche und die meisten auch noch Schwaben… Es war einfach logisch das Bier aus dem Büdchen um die Ecke zu kaufen ;)
Nach dem Essen ging es dann richtig los. Wir haben immer abwechselnd ein chinesisches und ein englisches/deutsches Lied gesungen. Besonders fasziniert haben mich zwei chinesische Kollegen, die auf der Arbeit immer ruhig und eher schüchtern auftreten. Beide haben sich ohne Aufforderung hingestellt, das Mikro geschnappt und mit richtig Power losgesungen. Ich glaube auch, dass die Chinesen generell ein anderes Verhältnis zu Musik haben. Ich war überrascht wie viele Lieder jeder von Ihnen wirklich gut mitsingen konnte.
Alles in allem ein super Erlebnis, dass wir bestimmt noch einmal wiederholen werden.
Launchen

Launchen nochmal
 Nach dem Karaoke Abend gab es für uns direkt ein weiteres Highlight. Am nächsten Tag haben wir uns zu einem Kochevent in den Hutongs getroffen. Chinesische Küche stand auf dem Programm.
Dafür sind wir zu allererst zusammen mit einem der Organisatoren auf den nahegelegenen Markt gelaufen. Vor Ort haben wir viele Infos über die chinesische Küche und die Vielzahl verwendeter Gemüse- und Obstsorten erzählt bekommen. Nebenbei haben wir noch einige der benötigten Zutaten gekauft.
Zurück an der Location haben wir damit begonnen uns zuerst jedes einzelne Gericht erklären zu lassen, um es anschließend nach zu kochen.
Als Gerichte gab es:
  1. Stir fry beef with chili, Sichuan peppe and coriander (Xiang cai niu rou)
  2. Gong bao chicken
  3. Beer duck (Pi jiu ya) - haben wir nicht selber zubereitet
  4. Dry stir fried green bean (Gan bian si ji dou)

Damit ich nicht nur die Bohnen essen musste hat man für den Vegetarier extra Tofu besorgt. Und ich muss sagen, dass ich diesmal ein ganz besonderes Erlebnis hatte, da ich den Tofu zu Hause auch schon öfter gekauft habe aber nie wirklich Geschmack an den Tofu bekommen habe. Als wir aber unsere Soßen und Marinade fertig gestellt haben und alles im Wok angebraten haben hat man schon riechen können wie lecker es später schmecken wird. Der Tofu hat ganz anders und viel besser mit der Marinade geschmeckt. Dabei waren in der Marinade nur Sojasoße, Stärke, Salz und Weinessig.
Der Abend war wie der vorherige lang und anstrengend, aber ich bin mir sicher, dass der Tag jedem von uns gefallen hat. 
Die wilde Meute kocht

Die wilde Meute muss warten

Lukas schnippelt



Die wilde Meute darf endlich Kochen
Ergebnis Nummer 1: Gebratener Tofu mit Chili

Ergebnis Nummer 2: Grüne Bohnen

Ergebnis Nummer 3: Gong bao Tofu 

Samstag, 12. September 2015

Die erste Woche neigt sich dem Ende

Die erste Woche in China ist rum und damit auch die ersten fünf Tage Arbeit. Pünktlich um 7:20 Uhr startet unweit von unserem Apartment Hotel einer der geschätzt 50 Shuttle-Busse zum Werksgelände der BBAC (Joint Venture zwischen BAIC und Daimler). Die Fahrt dauert ca. 50 Minuten und ist meistens ein Stop-and-Go. Die Straßen sind schon morgens unglaublich voll. Es wird gehupt, eingeschert und blockiert soweit es nur geht. Man hat das Gefühlt jeder lebt zum großen Teil für sich und nicht für die Gesellschaft.
Bei Ankunft auf dem Werksgelände parken alle Busse auf festgelegten Parkplätzen und werden erst wieder zum Feierabend bewegt. In der Zeit dazwischen werden die Busse geputzt und was man halt noch so jeden Tag in 8 Stunden machen kann :P
Das Werksgelände ist riesig. Größer als das Werk Sindelfingen und Untertürkheim zusammen und wer da einmal war, der weiss wie riesig beide Werke sind. Zu Fuß ging es erstmal an den Arbeitsplatz in einem der Großraumbüros. Es ist wirklich angenehm in den Büros, da die einzigen lauten Signale der Chinesen von ihren Handys kommen. Die Häufigkeit der Handysignale lässt allerdings auf die Produktivität der Kollegen schließen. Eine Annahme über produktive und unproduktive Arbeitszeit möchte ich hier allerdings nicht äußern. Mir fällt dazu nur eine kurze Sequenz aus der U-Bahnstation Liangmaqiao ein. Jeder der Gepäck bei sich trägt muss dies bei dem Betreten der U-Bahn durch einen Scanner fahren lassen so wie man es an internationalen Flughäfen kennt. Dort standen zwei Damen und ein Herr, der am Computer das gescannte Bild überprüft. Zu dem Zeitpunkt war ich die einzige Person an dem Scanner und musste einen kurzen Moment auf meine Kameratasche warten, da das Band, das durch den Scanner führt sehr langsam ist. In dem Moment schwenkte mein Blick von der einen Dame über den Scanner bis schließlich zu dem Herrn an dem Computer. Ich musste zwei Mal gucken und merkte: Der Typ schläft einfach! Mein letzter Blick ging zurück zu der zweiten Dame, die anscheinend gemerkt hatte, dass mir der schlafende Herr aufgefallen ist und lächelte mich verschämt an. Ich lächelte nur zurück, packte meine Kameratasche und bin gegangen. Diese Situation ist nach meinen ersten Tagen anscheinend sehr typisch chinesisch. :D

Das Highlight der Woche war der Besuch auf dem Bierfest, dass für alle Daimler Greater China Mitarbeiter veranstaltet wird.
Offensichtlich die Eintrittskarte für das Bierfest :P
Das Bierfest ist ein Event bei dem an jedem Abend in der Woche ca. 350 Mitarbeiter eingeladen werden, um den Erfolg in China zu feiern. Kurzfristig konnte man mir noch eine Karte organisieren, nachdem eigentlich alle schon vor meiner Ankunft vergriffen waren. Und ich sage euch es hat sich gelohnt. Speziell natürlich für alle deutschen Kollegen, die schon eine Weile in China wohnen. Es gab deutsches Bier, eine österreichische Band und für alle Fleischesser Weisswürstchen, Bratwürstchen und Rostbraten mit Kartoffelbrei und Sauerkraut.
Unser Team war das Erste, das nach Beginn der Musik auf den Bänken tanzte. Natürlich gab es vorher noch ein bisschen Input von offizieler Seite. Der Chef der Gewerkschaft hat eine Rede gehalten und im Anschluss gleichzeitig die Party eröffnet indem er ein Maß Bier geext hat. So hat der Abend begonnen und so wurde er auch beendet. Wer nüchtern nach Hause ging war selber schuld. Eine gelungene Party!
Am Freitag war die Stimmung natürlich etwas verhalten. Der Abend hatte Spuren bei allen Kollegen hinterlassen. Ich für meinen Teil habe in der Mittagspause den „Chinesen“ gemacht und anstatt Mittagessen zu gehen eine halbe Stunde auf meinen Tisch gelehnt geschlafen. Völlig normal in China…
Unser Team in Beijing
Am Freitag Abend saßen wir wieder etwas länger im Bus von der Arbeit. Das Wetter gut und ich freute mich auf das Wochenede als sich plötzlich der Himmel verdunkelte. Auf den Bildern kann man ganz gut erkenne wie dunkel es wurde. Fast schwarz kann man schon sagen färbte sich der Himmel ein. Dazu im Vordergrund die vielen Hochhäuser deren Fassade schimmerte und beleuchteten Fenster glänzten. Kurz darauf fing es stark an zu regnen und man merkte wie sich der Verkehr noch Träger entwickelte.
Dunkler Himmel in Beijing

Dunkler Himmel in Beijing
 Abschliessend möchte ich eigentlich nur noch drei Bilder zeigen die einen bestimmten Moment wieder spiegeln. Zum einen ist es ein Bild aus der U-Bahn vor einem dieser besagten Scanner. Als ich aus der Verbotenen Stadt zurück ins Apartment wollte musste ich feststellen, dass halb Beijing mit der U-Bahn fahren wollte. Die Quetscherei fing schon in der U-Bahnstation an und ging weiter bis zur U-Bahn selbst in der es so voll war wie ich es eigentlich noch nie erlebt habe.
Anstehen an der Sicherheitsschleuse
Das zweite Bild habe ich aus dem Bus auf dem Rückwerk vom Werk aufgenommen. Ein Mädel fährt mit ihrem Fahrrad und schaut sich nebenbei mit Kopfhörern eine Serie auf ihrem Handy an. Nachdem ich gemerkt habe wie wahnsinnig die Chinesen auf der Straße unterwegs sind und das immer das Gesetz des Stärkeren zählt wundert es mich, dass die Leute so etwas zumuten. 
Fahrrahdfahren + Serie gucken
 Das letzte Bild zeigt mein Mittagessen von heute Mittag. Ich bin so froh über diese Vielfallt von Tofu die man hier bekommt. Und vor allem der tofu in der Mitte des Bilder ist einfach nur genial. Er schmeckt unglaublich saftig und fluffig. Dazu noch Paprika und Pilze. Einfach nur lecker!
Mittagessen mit ganz viel Tofu

Sonntag, 6. September 2015

Abflug nach Beijing

Es ist 8:15am, Sandra und ich haben wenig geschlafen und der Taxifahrer klingelt schon an der Haustür, obwohl wir 8:20am gesagt haben. Etwas im Stress sprinten wir die Treppen runter, steigen ein und fahren in Richtung Stuttgart Flughafen.
An diesem Samstag startet mein zweiter Projekteinsatz und das in der Metropole Beijing in China. Ich bin nicht aufgeregt, aber irgendwie gespannt was mich und meine Kollegen erwartet.
Viel zu früh kommen wir nach unserem ersten Flug in Frankfurt am Flughafen an und müssen uns satte 5 Stunden die Zeit vertreiben. Irgendwie haben wir wohl etwas gepennt als wir die Flüge gebucht haben. Abdullah und ich sind also kurz in mit der S-Bahn in die Innenstadt gefahren und haben uns eine Pizza bei Vapiano reingezogen. Den Rest der Zeit haben wir mit Handyspielereien und bestaunen des A380 verbracht.
Das erste Mal A380

Die Servicekräfte aus Deutschland - Apu und Daniel

Der Flug im A380 war spitze. Für mich war es auch das erste Mal ein Lufthansa Flug und ich muss sagen, es unterscheidet sich alles nicht wirklich zwischen den Airlines. Alle müssen nett sein und das Essen ist auch sehr ähnlich. Wir sind nur knapp über 8 Stunden geflogen, als wir schon in Beijing gegen 8:30am landen. Mittlerweile sind wir zu viert und fast doch wieder zu dritt, weil Abdullah mit seiner türkischen Staatsbürgerschaft an jeder Kontrolle aufgehalten wird.
Unser Pick-Up ist pünktlich, wir fahren los und müssen eigentlich nur 12km ins Hotel fahren, aber irgendwie zieht sich die Fahrt wie Kaugummi und wir brauchen ca. 50 Minuten. Und auf dem Weg zum Hotel gab es viel zu sehen, wer auf Autos steht. Audi A6 Langversion, Mercedes S-Klasse Langversion, BMW 5er Langversion. Alle kurzen Chinesen fahren diese großen Premiummarken und das auch noch als Langversion. Irgendwie verstehe ich das nicht als 1,95cm großer Deutscher.
Nach der Ankunft haben wir eingecheckt uns kurz frisch gemacht und sind direkt los in die Stadt. Auf dem Weg ist dieses Foto entstanden. Taxi oder U-Bahn wollten wir nicht fahren. Wir sind Deutsche: Wir wandern gerne, sind sparsam bis geizig und wollen was von der Stadt sehen! Man merkt, Beijing ist ebenso Auto freundlich und Fußgänger unfreundlich wie Stuttgart.




Eine große Kreuzung in der Nähe von unserem Hotel













Als erstes richtiges Gericht gibt es Nudeln mit Gurke, Sojasoße, Erdnüssen und Chili. Aber nicht zu viel Chilli… Und als wir das „Restaurant“ verlassen haben mussten wir feststellen, dass die Hälfte der Restaurantbesucher anscheinend nur zum Schlafen gekommen ist.
Nudeln mit Gurken etc.

Chinesisches Restaurant für unser erstes Chinesisches Essen

Daniel und Apu im BreadTalk

Englisch sprechen wirklich nur wenige Leute haben wir an unserem ersten Tag festgestellt, aber wenn Sie es sprechen, dann wollen sie unbedingt etwas erzählen und zeigen, dass sie es drauf haben. Und das meine ich durchaus positiv. An unserem ersten Tag habe ich die Chinesen als sehr offen und freundlich kennen gelernt. Zwei Jungs haben mit uns den auf dem Rückweg aus der Stadt den U-Bahn Fahrkartenautomaten erklärt und uns zur richtigen Plattform gebracht, nachdem sich bereits ein Engländern herzlich bei den beiden bedankt hatte. Ihr wurde vorher anscheinend auch schon geholfen. Angekommen an unserer Zielhaltestelle hat uns ein weiterer Chinese geholfen eine Prepaid U-Bahn Karte zu kaufen. Das war auch nicht ganz einfach, wenn alle Texte auf Chinesisch sind. Die Krönung war aber der Kauf einer Sim-Karte. Eigentlich hatte man uns aus Insidersicht unterbreitet, dass es eine Kofferfrau gibt, die auch Sim-Karten vertickt. Für das was in Deutschland für 5 Euro bekommt wollte sie allerdings 200 Yuan also ca. 30 Euro haben. Für mich eindeutig zu viel. Gespräch abgebrochen und weiter gesucht bis wir nach ca. 30 Minuten den China Mobile Laden gefunden haben. Dort verbrachten wir dann ca. 1,5 Stunden nachdem uns 3 Leute nicht weiterhelfen konnten musste ich mit einem fremden Handy eine fremde Frau anrufen und die hat mir dann auch Chienglisch versucht zu erklären wie das in China läuft. Eigentlich ganz einfach – im Nachhinein. Zumindest haben wir nach den 1,5 Stunden jeder ein Sim-Karte mit Freiminuten und Internet. J

Ganz toll ist die Tatsache, dass es auch hier das gute 5.0 Bier aus Deutschland gibt.
5.0 Billig-Bier im überteuerten Fresh-Bio-Supermarkt

Zum Abschluss noch ein Blick aus meinem Schlaf-/Arbeitszimmer und ein Blick in den prall gefüllten Kühlschrank nach einer ausgedehnten Shoppingtour.
Blick aus meinem Schlaf-/Arbeitszimmer
Mein prall gefüllter Kühlschrank

Jetzt hat sich der Abend doch noch etwas anders entwickelt. Eigentlich hatte ich abgeschlossen und dann kam die Einladung zu einem BBQ auf einem schönen großen Balkon mit Blick auf den CBD.
Der Gastgeber ist Deutscher und ich glaube ich war noch nie auf einer solch coolen privaten Dachterrasse. Nette Leute, jeder hat was mitgebracht und ein super Ausblick. Für den ersten Tag in Beijing hätten wir nicht mehr erleben können. Aber morgen geht es früh raus, es ist der erste Arbeitstag!
Blick auf die Terasse

Blick auf den CBD

Olli, Apu, Mike