Jetzt ist es allerdings so, dass meine drei Mitbewohner auf der Insel Tioman sind und ich die letzten zwei Tage auf mich allein gestellt war. Als ich noch in Deutschland war hätte ich nie gedacht, dass in mir so schnell das Gefühl von Einsamkeit aufkommen würde. Wenn man plötzlich in einem doch sehr fremden Land, abends allein in seiner Wohnung sitzt ist man über jede Ablenkung froh.
Gestern habe ich mich dann glücklicherweise noch spontan zum Abendessen verabreden können, nachdem ich bis 19 Uhr hier in der Uni meine Zeit verbracht habe. Wir haben Roti gegessen, ein Brot, dass auf einer heissen Platte hergestellt wird. Optisch sieht es aus wie Naan Brot. Dazu gab es unterschiedliche Soßen, in die man das Brot dippen konnte. Da die Restaurantbesitzer, wenn man es überhaupt Restaurant nennen kann, nicht gut Englisch sprachen, war es nicht ganz leicht den Geschmack herauszufinden. Ich habe mir das einfache Roti Canai und das Roti Pisang zum Nachtisch bestellt. Das Roti Canai ist die einfachste Variante nur mit Soße. Das Roti Pisang waren Bananen mit Roti umhüllt. Als Nachtisch wirklich sehr gut geeignet. Wie ich hörte essen es die Malayen meist zum Frühstück. Dazu gab es süßen Tee mit Eis. Diesmal war es auch wieder sehr günstig, aber dafür verdammt schmutzig im Restaurant. Der Tisch hat geklebt und war nicht richtig abgewischt. Von unserem Tisch hatten wir den Blick in die Küche, in der verschiedene Flüssigkeiten die Wand runter liefen. Kein Stuhl glich dem anderen und auch die Teller waren alle verschieden. Dafür durften niedliche Katzen überall rum laufen. :D Nichts desto trotz war das Essen genial. Ich würde immer wieder dort hin gehen und jedem, der nicht gleich Herpes bekommt das Lokal empfehlen. Vielleicht mache ich die Tage mal ein Bild, damit sich jeder vorstellen kann, wie man dort isst.
Heute hatte ich auch direkt meinen ersten Erfolg bei meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft. Die Anlage für die Videokonferenz, die in unserem Global Engineering Lab steht hat soeben den Geist aufgegeben. Zwei Stunden Arbeit haben sich leider nicht rentiert.
Und dann kam das Unglaubliche. Niemand bei uns im Gebäude wusste, dass es einen hoch modernen Konferenzraum gibt. Das Bild sagt eigentlich alles. Selbst der Malaysische Dekan, der direkt neben unserem Mercator Office sitzt wusste nichts davon. Somit ist eine große Aufgabe schonmal erledigt: Wir können Kontakt mit dem Bundesministerium für Forschung und Entwicklung aufnehmen.
Es gibt allerdings noch etwas zu erwähnen. In Deutschland ist es oftmals sehr schwierig mit einem Prof einen Termin auszumachen. Entweder ruft man bei der Sekretärin an oder man muss in die kurzen Sprechstunden kommen, die meistens nur einmal pro Woche stattfinden. In Malaysia bekommt man sogar als Student die Handynummer der Profs.
Ich bekam also erstmal von dem Dekan für Elektrotechnik zwei Handynummern, um ihn ggf. anzurufen. Als er mich dann fragte ob ich seine Mailadresse hätte und ich verneinte, meinte er nur: "Do you have Whatsapp? Just contact me." Das fand ich schon ziemlich cool.

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